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    Das unsichtbare Publikum. Für wen Barrierefreiheit bei Events wirklich zählt

    Diverse Gruppe von Menschen bei einem Event
    Wenn wir an barrierefreie Events denken, haben viele ein bestimmtes Bild im Kopf: eine Person im Rollstuhl oder eine gehörlose Person. Doch die Realität ist vielschichtiger, und das Publikum, das von Accessibility-Massnahmen profitiert, deutlich grösser, als die meisten vermuten.

    Nehmen wir Hörhilfe-Träger:innen. In der Schweiz nutzen über 300'000 Menschen ein Hörgerät oder Cochlea-Implantat. Bei grösseren Events, mit Hintergrundgeräuschen, Hall und Distanz zur Bühne, stossen selbst moderne Hörhilfen an ihre Grenzen. Ein direkter Audiostream vom Mischpult auf das Hörgerät macht den Unterschied zwischen Teilhabe und Ausschluss.

    Dann gibt es die Gruppe, die statistisch oft vergessen wird: Menschen mit situativer Beeinträchtigung. Wer auf einem Open-Air-Festival in der letzten Reihe steht, versteht bei Wind kaum ein Wort. Wer an einer internationalen Konferenz teilnimmt und die Vortragssprache nicht fliessend spricht, verliert den Faden. Wer in einem lauten Stadion sitzt, wünscht sich Untertitel.

    Eine Studie von Verizon Media zeigte, dass 80 Prozent der Personen, die Untertitel nutzen, nicht hörbeeinträchtigt sind. Sie nutzen Captions, weil sie in lauter Umgebung sind, weil sie eine Zweitsprache hören oder weil sie Inhalte besser aufnehmen, wenn sie gleichzeitig lesen und hören können.

    Für Veranstalter:innen heisst das: Accessibility-Features sind keine Nischenlösung für wenige, sondern ein Mehrwert für viele. Wer Live-Audio direkt auf Smartphones und Hörgeräte streamt, Echtzeit-Transkripte bereitstellt und KI-gestützte Übersetzungen anbietet, verbessert das Erlebnis für einen erheblichen Teil des Publikums.

    Das unsichtbare Publikum ist da. Es ist grösser, als man denkt. Die Frage ist: Gestaltet man das Event für 100 Prozent der Anwesenden, oder nur für jene, die zufällig keine Unterstützung brauchen?